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Seit Ende November gehe ich wieder arbeiten. (Wenn ich nicht leider gerade erkrankt war).

Die allerersten beiden Arbeitstage waren der absolute Horror für mich. Ich habe Rotz und Wasser geheult, weil ich mein Kind so viele Stunden des Tages nicht gesehen habe. Das ist eine Situation, auf die man sich nur theoretisch vorbereiten kann und selbst die Eingewöhnungsphase kann man nicht wirklich als Übung gelten lassen. Zumindest für mich nicht. Die Eingewöhnung haben wir Anfang Oktober gestartet und hatten somit zwei entspannte Monate lang Zeit dafür. Am Anfang sind das Kind und ich knappe drei Stunden geblieben, dann sind wir wieder gefahren. Nach nicht mal vier Wochen hat sie bereits in der Kita ihr Mittagsschläfchen gemacht und ich bin dann schnell nach Hause gefahren und habe Hausputz gemacht. Also so, dass die Zeit nicht nur gefühlt wie im Flug vergangen ist und ich mein Kind „schon“ wieder abgeholt habe. Und dann kam der Tag X. Ich hatte den ersten Arbeitstag und der Mann seinen ersten Tag Elternzeit. Auf der Fahrt ins Büro habe ich Rotz und Wasser geheult und sobald mich jemand begrüßte und im zweiten Satz nach dem Kind fragte, hatte ich einen ziemlich hohen Wasserstand.

Bei all diesen Begrüßungsgesprächen kam natürlich schnell die Frage: „Und, wie viele Stunden arbeitest Du jetzt?“ „Äh, Vollzeit…?“ Und dann ging es los. Manche Kollegen haben offen signalisiert, wie unmöglich sie das finden: „Aber Dein Kind ist doch noch ganz klein!!!!“ Andere haben es diplomatischer versucht: „Ach, und das ist in Ordnung für Dich?“ Als wäre ich nicht in der Lage, wohl überlegte Entscheidungen zu treffen. Ganz wenige Kollegen fanden es total in Ordnung und nachvollziehbar, wieso ich mir „das antue“. Die Sache ist mehr oder weniger simpel: Teilzeit lohnt sich für mich finanziell nicht. In pendle in die nächste Großstadt, wir zahlen ein Schweinegeld in Sachen Kinderbetreuung und dann wäre es schlicht am Ende des Monats schön, wenn noch Geld da ist und nicht umgekehrt.

Aber vor all diese elementaren Entscheidungen haben wir das Wohl unseres Kindes gestellt. Ich habe immer gesagt, ich warte ab, bis sie auf der Welt ist und ich sie kenne, bevor ich darüber nachdenke, sie wieder abzugeben, während viele andere Eltern schon in der Schwangerschaft Kitaplätze angemeldet haben. Gott sei Dank sind wir mit einem tiefenentspannten Kind gesegnet, dass sich in der Kita (einer Elterninitiative mit quasi luxuriösem Personalschlüssel) unglaublich wohl fühlt. Nach Abwesenheitszeiten wegen Erkrankung kann sie es kaum erwarten, endlich wieder auf den Arm der Erzieherin zu kommen und zu den anderen Kindern zu krabbeln. Einmal konnte ich mich nicht mal mehr verabschieden, weil sie schon außer Sicht und ins Spiel vertieft war. Ja, da haben wir wohl Glück gehabt. Wenn das nicht so unproblematisch geklappt hätte, hätte sicher ein Plan B gegriffen.

Jetzt ist so, dass ich, bevor das Kind morgens überhaupt in der Kita ankommt, schon längst im Büro sitze und meistens pünktlich zur Beendigung des Nachmittagsschlafes in der Kita aufschlage, um das Kind abzuholen. Ich fange also extrem früh an und stehe zu diesem Zweck um 5.20 Uhr auf, um an drei Tagen in der Woche um 15 Uhr gehen zu können. An zwei Tagen holt die Schwiegermutter das Kind ab und ich arbeite Zeit nach. Dann ist aber der Mann bereits 30 Minuten später auch zu Hause und das Kind mit vertrauten Menschen in vertrauter Umgebung.

Warum ich jetzt so ausführlich ausgeholt habe? Weil ich es verdammt nochmal leid bin, ständig rechtfertigen zu müssen, warum wir unser Leben so organisieren. „Wäre das Kind nur bis mittags da, wäre es auch billiger…“ Dann müsste ich aber für weniger Geld und weniger Stunden pro Tag trotzdem die gleiche Strecke pendeln und könnte den Job hier, der mir nun mal tatsächlich böserweise Spaß macht, nicht ausüben.
Überhaupt scheint fast jeder darüber zu befinden, was man als Mutter sollte und was nicht. Es spielt keine Rolle, dass ich viel ausgeglichener bin, wenn ich einen schönen, produktiven Arbeitstag hatte. Ich bin eine Rabenmutter- so sagt man, weil ich mein Kind, kaum dass es geschlüpft ist, fremdbetreuen lasse. Das ist – trotz der Tatsache, dass wir uns alle drei damit wohl fühlen – nicht schön zu hören und nicht sehr förderlich für ein gedeihliches Miteinander im beruflichen Kontext.

Unser Kind hat sich wahnsinnig toll entwickelt in der Zeit seit Oktober und es ist eine Freude zu erleben, was sie lernt. Sie geht dort in eine altersgemischte Gruppe (es gibt ohnehin nur zwei Gruppen in dieser familiären Kita), in der die Kleinen von den Großen lernen und die Großen lernen, Rücksicht zu nehmen und sich um die Kleinen zu kümmern. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder miteinander umgehen und wie auch von Seiten der Erzieherinnen darauf geachtet wird. Ich finde es schön, dass mein Kind zwei Mahlzeiten des Tages in einer großen Runde einnimmt und immer jemanden zum Spielen in ihrem Alter, aber auch in einem fortgeschrittenen Alter da hat. All das können wir ihr zu Hause so nicht bieten.

Was ist daran so verkehrt, so lange WIR uns damit wohlfühlen?? Man, kotzt mich das manchmal an.

 

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