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Es gibt Momente im Leben, die sind so spooky und schicksalhaft, dass man nicht sofort versteht, was das Leben einem denn jetzt verdammt nochmal damit sagen will. Es fällt dann schwer, diese eine Nachricht zu verstehen und zu verarbeiten. Man steht da, heult Rotz und Wasser und weiß wirklich nicht, ob es nun der aktuelle, große Schmerz oder eine Welle der Freude ist, die diese Tränenbäche produziert. Oder eben beides.

Einen derartigen Moment hat es in meinem Leben gegeben. Am 12. März 2013. Ein Datum, das ich aus dem traurigen Anlass, dass mein Vater an dem Tag verstarb, sowieso nie vergessen werde.

Es ist aber auch das Datum des Tages, an dem ich spätabends stundenlang auf einen positiven Schwangerschaftstest starrte. ♥

Der 12. März wird für mich aus diesen beiden Gründen immer ein sehr sehr besonderer Tag bleiben. Und ich bekam immer, wenn ich davon erzählte zu hören, dass es eben so sei im Leben: Der eine geht, der andere kommt. Selten fand ich es passender. Schade ist nur, dass mein Dad sein Enkelkind nie kennenlernen konnte. Aber ich bin mir sicher, dass er uns von ner schicken Wolke oben zusieht.

Zwei Jahre ist es nun also her, dass ich mittags meinen toten Vater streichelte und abends dem Kerl – mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand – um den Hals fiel. Ich habe nie im Leben bisher einen Tag mit einer derartigen Gefühlsachterbahn erlebt.

Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
aus dem wir nicht vertrieben werden können.
Jean Paul

Dieses Zitat schießt mir jetzt seit ein paar Tagen immer wieder durch den Kopf. Und letztendlich ist es ja auch das, was essentiell bleibt. Das, was man für die Ewigkeit abgespeichert hat und was einem wirklich niemand nehmen kann, dieser Gedanke ist sehr tröstlich.
Ein echter Trost ist es nach wie vor für mich, dass mein Dad und ich in absolutem Frieden miteinander Abschied genommen haben. Das ist das größte Geschenk von allen.

Gott sei Dank hatte ich die Möglichkeit, mich mit ihm auszusprechen, als er noch zu sprechen vermochte. Ich bin ganz am Anfang, kurz nach seinem Schlaganfall, zweimal Abends alleine ins Krankenhaus gefahren, um Momente der Ruhe mit ihm zu haben, nachdem ich am frühen Nachmittag bereits in Begleitung dort gewesen bin…
Und so sprachen wir darüber, was in den letzten 40 Jahren passiert ist. Und auch wenn manches sehr schwer war und uns darüber zu sprechen schwer fiel, so nutzen wir die Gelegenheit. Wohlwissend, dass JETZT auch der Moment dafür war. Er hat sich beim zweiten Mal tatsächlich bei mir entschuldigt und manches als Fehler bezeichnet. Was brauchte ich noch, um meinen Frieden zu finden?

Ohne Vater aufzuwachsen war mitunter sehr schwer, aber heute weiß ich dennoch, was ich auch diesem Umstand dann letzten Endes zu verdanken habe. Ich habe gelernt, welche mentale und emotionale Stärke in mir steckt und dass ich sehr zäh bin. Ich habe gelernt, dass ich ALLES schaffen kann. Vor allem alleine. Ich brauche niemanden. Das gibt mir eine große Sicherheit. Und ich weiß heute dennoch umso mehr zu schätzen, jemanden zu „haben“.

Heute ist für mich der Tag der Erinnerungen.

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