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In den sozialen Netzwerken und Blogs wird gerade viel diskutiert und berichtet über das Bedauern, eine Mutter geworden zu sein bzw. welche Einbußen so ein Kind für die persönliche Entfaltung bedeutet.

Ich bin jetzt seit 16 Monaten Mutter und ich wollte nichts lieber auf der Welt, als endlich ein Kind zu bekommen, jemanden, der „Mama“ zu mir sagt.

Ich gebe zu – und das sagt einem ja vorher niemand SO genau– auf die ersten drei Monate hätte ich gerne verzichtet. Nicht, weil es mit dem Kind irgendwie furchtbar gewesen wäre. Im Gegenteil, wir haben ein wirklich entspanntes und ausgeglichenes Kind, seit dem ersten Tag. Aber man weiß trotzdem nicht im Geringsten, was das für einen selbst bedeutet, Mutter zu sein. Ich wurde völlig überrollt von der Tatsache, absolut fremdbestimmt zu sein. Und absolut ist hier noch untertrieben. Ich habe gehadert mit der Tatsache, selbst nicht mehr zu entscheiden, wann ich MEIN Häufchen mache oder so etwas abgefahrenes wie Duschen. Nein, das hat meine Tochter bestimmt, in dem kurzen Zeitfenster mit frischer Windel, gefülltem Magen und bestenfalls nem Powernap.
Nach den ersten drei Monaten wurde es schlagartig und täglich besser und ich gewöhnte mich an die neue Situation. Ich weiß, dass es den meisten frischgebackenen Müttern/Eltern so geht und glaube, dass das vollkommen normal ist und man sich da durchzuwurschteln hat. Denn mal ehrlich – wer glaubt denn, dass sich das Leben mit Kind NICHT grundlegend ändert. Die Frage ist doch nur, inwiefern und wie weitreichend für den Einzelnen und das ist sicher von Familie zu Familie ganz individuell zu betrachten.
Aber wer als Mutter/Eltern denkt, dass das Kind so nebenher läuft oder sich selbst bemitleidet, dass das nun mindestens 18 Jahre so geht, bis man wieder sein „eigenes“ Leben hat, der steht sich selbst im Weg und nimmt sich die Möglichkeit, im Hier und Jetzt und MIT Kind den Alltag zu rocken. Ob nun Vollzeit-/Teilzeit-Berufstätig, Patchwork lebend oder Alleinerziehend, mit Kind 1.0 bis 4.0. Egal. Leben ist, was man draus macht. Wobei ich ein Beispiel herausheben möchte: Ich bin nicht alleinerziehend und teile mir die Hausarbeit, die Finanzen und die Sorgen mit einem Partner. Wäre das nicht so, weiß ich ehrlichweise  nicht, ob ich das immer noch so easy peasy sehen würde.

Und ja, da wird es immer die doofen Tage geben, die „ich will aber Nudeln, aber nicht die runden, mit Soße und die Soße daneben und nicht da drauf und überhaupt Du bist doof, Mami!“-Tage. Oder andere jetzt noch völlig abwegige Unwägbarkeiten (ich hab ja erst 16 Monate Erfahrung und die „großen“ Mamis lachen sicher). Die Tage, an denen man im Kreis kotzen möchte und alles hinschmeißen (die gibt’s ja jetzt auch schon). Kinder durchkreuzen permanent Pläne. Was hab ich dann für Möglichkeiten? Mir selbst leidtun, weil ich schon wieder eine Verabredung verschieben muss? Ja, kurz. Aber doch nicht dauerhaft. Das Kind kann nichts dafür und macht es nicht absichtlich. Und ich bin schon groß und habe gelernt haben, mit Enttäuschungen und Frustration umzugehen.

Aber es gibt eben auch die schönen, die normalen, guten Tage. Die mit dem kleinen, alltäglichen Glück, nämlich dann, wenn alle grad gesund sind und die Nudeln die richtige Form haben. Die guten Tage kommen nicht erst in 18 Jahren, sondern heute und wenn nicht, dann Morgen.

Natürlich gibt es Lebensumstände, die den Lebensrahmen beeinflussen, auch negativ. Die Gesellschaft, die Arbeitgeber, die Mommy Wars, die eigenen Ansprüche – oder die der Familie, die Partnerschaft.

Aber das ist nicht der Kern. Der Kern ist, dass für mich in #regrettingmotherhood das Bedauern für eine Entscheidung mitschwingt, die so weitreichend ist, dass zwei Menschen eigenmächtig über ein Leben entschieden haben. Denn das Kind hat niemand gefragt, ob es geboren werden möchte. Wir haben das entschieden. Und wer A sagt, muss auch B sagen. Sagte Omma schon.

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