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Mein letzter Beitrag zum Thema Depressionen hat doch erstaunliche Reaktionen hervorgerufen, die mich auf den verschiedensten Wegen erreichten. Erstaunlich in der Menge, aber auch der Art und Weise.

Das musste und wollte ich gerne alles beantworten und sacken lassen, um dann jetzt doch nochmal darauf einzugehen.

Ja, ich bin mittlerweile „stark“, obwohl ich auch mal sehr schwach bin. Ja, ich bin stolz auf mich, obwohl ich mich für jede schwache Minute schäme. Ja, manchmal weiß ich es besser. Obwohl jeder Fall anders liegt.

Besonders dieser Punkt ist mir sehr wichtig. Ich WEISS, wie leicht es gesagt ist, dass man da irgendwann rauskommen kann, man „müsse eben nur wollen“. Grundsätzlich ist das zwar so, es gibt aber Fälle, da sind die Menschen austherapiert und versuchen nur noch, zu überleben. Aber das sind die wenigsten. Den meisten geht es nach einer Therapie (ggfs. mit begleitender Medikation) recht gut. Das Geheimnis des Ganzen ist: Man muss es tun. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich hätte es ohne Druck von außen nicht geschafft und vieles klingt für Nicht-Betroffene nach Ausrede oder „die jammert doch lieber, als sich helfen zu lassen.“ Nein. Nein. Bei einer echten Depression KANN man nicht so, wie man vielleicht WILL. Es ist auch wahnsinnig schwer, dieses Gefühl der eigenen Ohnmacht zu transportieren. Weshalb ich appellieren möchte, jemanden, der in so einem Loch steckt, nicht fallen zu lassen und am Ball zu bleiben. Auch wenns noch so nervt und unbequem ist. Es ist für alle die Mühe wert. Manchmal hilft, demjenigen einen Termin beim Arzt zu machen und ihn hinzufahren. Oder bei der Suche nach einem Therapeuten behilflich zu sein. Dies ist ja bekanntermaßen ein schwieriges Unterfangen. Aber manchmal reicht auch, einfach schweigend da zu sein.

Egal auf welche Art und Weise ihr da seid: Seid es.

Hätte ich diese Unterstützung nicht gehabt, weiß ich nicht mit Sicherheit, ob ich heute diese Zeilen schreiben würde. Aber ich maße mir an, es heute besser zu wissen, als ein Nicht-Betroffener. Denn woher weiss ich, wie es sich anfühlt, sich in den Finger zu schneiden? Doch nur, wenn ich es tue. Also sei doch froh, wenn Du nicht weißt, wie sich Depressionen anfühlen. Aber ein „reiß Dich zusammen“ ist leider fehl am Platz, das weiß ich sicher.

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