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Ich bin jetzt 38 (auf dem Papier) und ich kann mich Zeit meines Lebens an keinen Zahnarztbesuch erinnern, bei dem ich entspannt auf dem Stuhl saß oder lag. Im Gegenteil, ich schlafe schon in der Nacht davor wenig bis gar nicht, wache schweißgebadet auf und sobald ich eine Zahnarztpraxis betrete, kann ich merken, wie sich jeder Muskel meines Körpers verkrampft. Wenn dann noch die entsprechende Geräuschkulisse hinzukommt, fange ich im Wartezimmer schon an zu heulen.

Sobald ich im Behandlungszimmer bin und im Stuhl sitzen muss, bekomme ich vom Krampfen Rückenschmerzen und heule mir die Seele aus dem Leib. Dafür muss der Zahnarzt den Raum noch nicht mal betreten haben. Und selbst wenn der Arzt bzw. in meinem Fall die Ärztin „nur mal guckt“, geht bei mir nichts mehr. Ich stehe nach jeder Behandlung komplett nassgeschwitzt, in Tränen aufgelöst und wirklich völlig fertig aus dem Behandlungsstuhl auf. Der absolute Horror war vor 21 Monaten eine Wurzelspitzenresektion oben rechts  3 Tage vor ET. Ziel war der Erhalt des Zahns und das MUSSTE gemacht werden, weil ich wahnsinnige Schmerzen hatte und es unter der Geburt Komplikationen hätte geben können. Ich bekam ein Antibiotikum und eine lächerliche lokale Betäubung. Ich habe mich für mein Kind so unfassbar zusammengerissen, weil ich ihr nicht noch mehr Stress zumuten wollte, als ich ihn ohnehin schon hatte. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das überstanden habe, aber ich weiß, dass es das Ganze verschlimmert hat. Ich habe in den letzten 20 Jahren sicher auch mindestens 20 Zahnärzte verschlissen, die mir alle eine gute Zahnpflege bescheinigten und die „Schuld“ auf eine sehr schlechte Zahnsubstanz schoben. Also habe ich eine Dauerbaustelle im Mund. Das ist in Kombination mit unregelmäßigen Besuchen eine ungünstige Konstellation.

Vor zwei Wochen konnte ich Montagsabends auf einmal oben rechts nicht mehr beißen, ohne an die Decke zu gehen. Mir war sofort klar, was das bedeutet. Und ich behielt recht, die Nacht von Montag auf Dienstag war der Horror, ich fraß Ibus, wie andere Smarties. Ich fuhr aber erstmal zur Arbeit, um dringende Arbeiten zu erledigen und war dann mittags bei der Ärztin. Die mir nach dem Reinen in dem Mund gucken auch bescheinigte, meine Angst wäre schlimmer geworden. DAS hatte ich auch bemerkt. Nichtsdestotrotz bekam ich eine Überweisung zur Kieferchirurgie, der Zahn musste raus. Ich habe das große Glück, dass die Praxis zur Hälfte einer Bekannten gehört, sie hat damals die WZR bei mir gemacht, das war damals überhaupt meine einzige Rettung. Momentan ist sie in Elternzeit, hat aber von zu Hause aus für mich den Termin organisiert und mir ne extra Dröhnung verordnet, ohne die 1,5 Tabletten Dormicum hätte ich das auch nicht ausgehalten. Denn die Entzündung war 3 Tage später, am Tag des Ziehens noch so großflächig, dass die Betäubung nicht alles abdeckte. Ich bekam viel zu viel mit und hab den Rest des Tages vor Erschöpfung geschlafen, bis das Kind nach Hause kam.

Und da beschloss ich, dass es so nicht weitergehen kann. Was bin ich denn für ein Vorbild für mein Kind? Eine erwachsene Frau (AUF DEM PAPIER), die sich vor Angst wirklich fast in die Hose macht. Außerdem belastet und beeinträchtigt es mich, vor allem vor dem Hintergrund, dass jetzt noch viel gemacht werden muss an der Knabberleiste.

Also schrieb ich tags drauf die Psychologin auf der anderen Straßenseite an, schilderte mein Anliegen und sagte, sie sei meine erste Wahl wegen der räumlichen Nähe. Ich habe Glück gehabt, heute Nachmittag ist mein Erstgespräch bei ihr und ich hoffe, die Chemie stimmt und ich kann und möchte bei ihr bleiben. Yeah, Therapie. Mal wieder. Aber was muss, das muss. Weg mit der Zahnarztphobie!!

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