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Angeregt durch eine Twitter-Unterhaltung mit Mama on the rocks und Marsha, ausgelöst durch die Freitagsfrage von Frau Chamailion („Du tust mir nicht gut!“ Wer oder was tut euch nicht gut? Falsche Freunde, nörgelnder Partner, eine Angewohnheit?“) geht es hier heute um Entwicklung. Um die persönliche Entwicklung, um das Formen des Charakters und des Sich-Selbst-Findens – kurz, des Sich-Selbst-Gut-Tuns.

Wenn ich zurückblicke auf die letzten knapp 20 Jahre, dann habe ich eine für mich erstaunliche, aber zufriedenstellende Veränderung durchgemacht. Mit 18 hatte ich meine schwere Depression, ich war nicht mehr als eine Hülle. Mit Mitte 20 bis Anfang 30 lebte ich in einer sehr kräftezehrenden, aber zugleich sehr lehrreichen Beziehung. Auf vielen Ebenen, in vielen Themenbereichen. Sie – und vor allem ihr unrühmliches Ende – trug unmittelbar zu meiner Entwicklung bei. Denn ich lernte, was und wen ich will, und vor allem was nicht. Ich merkte, dass meine Kompromissbereitschaft in einigen Bereichen deutlich abnahm, ich aber wiederum in anderen Lebensbereichen erstaunlich flexibel blieb. Ruhm und Ehre im Job wurden abgelöst durch ein genaueres Hinschauen, das Erkennen von Grenzen und das Erfassen eigener Ressourcen.

So eine Entwicklung durchläuft man nicht über Nacht und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mit Anfang 20 nicht nur innerlich mit den Augen rollte bei Sätzen wie: „Komm Du erstmal in mein Alter“ „Mach Du mal die gleichen Erfahrungen wie ich“ „Bekomm Du erstmal selbst Kinder“. Ich hatte und habe stets Respekt vor „älteren“ Menschen, aber solche Sprüche sind tatsächlich wenig zielführend.

Ich bin jetzt in dem Alter, habe ähnliche Erfahrungen gemacht und ein Kind bekommen. In einigen Bereichen hat das zu einer Veränderung geführt, in anderen nicht, da denke und handle ich noch genauso. Ich kann aber auf jeden Fall sagen, dass sich – alleine schon bedingt durch die Mutterschaft  – mein Verantwortungsbewusstsein verstärkt und verändert hat. Ich schaue jetzt darauf, was und wer mir gut tut, um stark, selbstbewusst und ausgeglichen für mein Kind da zu sein. Und es fällt mir zunehmend leichter, Konsequenzen zu ziehen und durchzuhalten. Auch wenn sie im ersten Moment beängstigend sind, habe ich keinen der Schritte der letzten Jahre bereut die mir halfen, die zu werden, die ich jetzt bin. Ich scheue keine Konflikte mehr, ich höre nur noch auf mein Bauchgefühl und ich schaue sehr genau auf das Kind und ihre Bedürfnisse. Ich will ihr auch gerne ein Vorbild sein und mit dem berühmten guten Beispiel voran gehen. Ich habe mich zu lange verbogen und es jedem Recht gemacht, wollte nie anecken oder unbequem sein. Es soll jetzt auf keinen Fall arrogant klingen wenn ich schreibe, dass ich das nicht mehr nötig habe. Ich habe es deswegen nicht mehr nötig, weil ich zu mir stehe. Voll und ganz. Und wer mich so nicht mag, dem sage ich „Adieu“. Erwachsen sein kann manchmal auch ziemlich cool sein. Und der lange Weg, den es bis hierhin gebraucht hat und die Kraft, die ich verbraucht habe, beides war die Mühe wert.

Und um die Freitagsfrage abschließend zu beantworten: Nicht gut tut mir
– Egoismus
– Starrsinn
– Unehrlichkeit
– Überheblichkeit
– Lieblosigkeit

All diese Charaktereigenschaften vereinten Menschen in sich, die heute nicht mehr zu meinem Leben gehören.

Und Chaos und Unordnung, die tun mir auch überhaupt nicht gut, aber da grüßt ja gerne mal derzeit Sisyphos. Das Leben mit Kleinkind ist nun mal so.

Ich bin jetzt schon gespannt, wie ich in 10 Jahren über diesen Text denke und wie ich mich bis dahin wohl entwickelt habe. 😉

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