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Vergangene Woche hatte ich eine kleine, feine Auszeit im Eiscafé, während mein Kind zum allerersten Mal im Theater war, in Begleitung der Tatenpante und deren Sohn, einer Freundin und deren Tochter. Es war ein kleiner Versuch, weil das Stück erst ab 3 Jahren war und ich mir nicht sicher war, ob der Keks eine 3/43/4 Stunde durchhalten würde, weshalb ich mich ganz in der Nähe aufhielt, um sie im Fall der Fälle abzuholen. Sie hat aber sehr gut durchgehalten und im Anschluss sagte sie im Auto mehrmals: „Nochmal Theater. Nochmal!“ Es hat ihr also tatsächlich richtig gut gefallen. Und die großen und kleinen Besucher des Theaters waren ganz angetan und empfehlen unbedingt einen Besuch.


Aber darauf wollte ich eigentlich nicht hinaus, sondern mir ging es um meinen Aufenthalt im Eiscafé.

In einer Ecke saßen an einem langen Tisch ein paar Mütter mit Kindern, alle so im Alter zwischen 4 und maximal 7. Zwei Jungs fingen recht bald an, ein bisschen durch den Laden zu toben, allerdings nach meinem Empfinden total im Rahmen und keineswegs überdreht oder störend. Klar ist das wuselig, wenn da Kinder rumlaufen und für die Kellner ist das generell auch nicht GANZ so super, aber in der Situation war es wirklich ok.

Für eine Mutter war es das allerdings nicht. Sie stand plötzlich auf, zerrte ohne Vorwarnung an ihrem Sohn und schnauzte ihn an „Hör auf, rumzulaufen!“ Der Sohn und ich, wir zuckten zusammen, denn sie standen in diesem Moment neben meinem Tisch. Sie ging zurück auf ihren Platz und die Jungs standen unsicher rum. Ich zwinkerte ihnen zu und sie hüpften dann nach ein paar Schrecksekunden ein bisschen durch den Laden, schauten interessiert in die Eistheke, alberten rum und hüpften noch etwas. Alles wirklich recht entspannt.

Mit einem Mal stand die Mutter wieder auf, schnappte sich den Jungen, setzte sich mit ihm auf dem Schoß zurück auf ihren Stuhl und ließ eine Tirade über ihn prasseln: „Mit Dir gehe ich nicht mehr Eis essen! Du kannst Dich nicht benehmen!“ Der Junge wusste sich nicht mehr zu helfen und haute ihr auf den Arm. „Hau nicht!“ brüllte sie ihn an, umklammerte seinen Oberkörper und hielt den sich windenden, weinenden und wütenden Sohn fest. Sie schnauzte weiter: „Du gehst gleich sofort ins Bett! Bleib sitzen!“

Ich wäre am liebsten aufgestanden und hätte ihren Sohn gerne getröstet. Ich hatte soviel Mitgefühl mit ihm und war so sauer auf diese Mutter, dass ich meinen Schwur erneuerte, niemals so übergriffig und ungerecht zu meinem Kind zu sein.

Ich möchte diese Mutter nicht bashen, ich kenne nicht ihren sonstigen Umgang mit dem Kind und vielleicht hatte sie einen schlechten Tag oder ganz andere Sorgen. Es geht mir um diese Momentaufnahme und was ich für mich daraus mitnehme: Ich möchte nicht, dass mich mein Kind mit solch traurigen Augen anblickt und sich so unverstanden und verraten fühlt.

Ebenfalls möchte ich jetzt auch kein Pläydoyer für total ungezogenes Verhalten halten und natürlich muss man Kindern beibringen, wie man sich „in der Öffentlichkeit“ zu benehmen hat. Aber ein Eiscafé ist nicht der richtige Ort für ein stundenlanges Kaffeekränzchen, wenn man bewegungsfreudige Kinder dabei hat. Und dass die schon länger da saßen, hörte ich deutlich raus.

Wenn alle mehr an alle denken, ist allen geholfen.

 

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