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Eltern werden. Das ist technisch relativ einfach und dann hat man irgendwann dieses Baby im Arm. Dann allerdings beginnt eigentlich erst die spannende Zeit, denn üblicherweise werden die Leibesfrüchtchen ohne Bedienungsanleitung ausgeliefert und man muss den für sich richtigen Weg finden. Und zu den diversen Themen gibt es viel zu viele Abhandlungen im Netz, so dass die goldene Regel „nicht googlen“ ist. Soviel zur Theorie. In den 2,5 Jahren, die wir jetzt mit dem Keks verbringen, kam aber bereits ein paar Themen auf, für die ich mir tatsächlich gerne Rat holte, sei es zur Mediennutzung oder zur Unterstützung der Linkshändigkeit unserer Tochter. Aus den Antworten und dem eigenen Bauchgefühl sondiert sich schnell der für uns passende Weg und ich bin für die Möglichkeit dieses Austausches sehr dankbar.

Aber dann gibt es noch die ganz andere Seite der Elternschaft, die bei der Austausch nicht so einfach ist, nicht „mal eben“ helfen kann. Die Erziehung eines Kindes bringt einen unwiderruflich in Kontakt mit der eigenen Kindheit. Und nach dem Auftauchen erster Konflikte (echt, die Kinder haben ihren eigenen Willen, also sowas…) lernt man sich selbst noch einmal ganz besonders gut und besonders intensiv kennen. Und entdeckt alte Glaubenssätze und Automatismen, die man nicht für möglich hielt und an sich ablehnt. Ich hatte Situationen, in denen mich meine Gedanken durchaus erschreckt haben und hatte Flashbacks in die eigene Kindheit, die mir nicht gut getan haben. Aber ich war und bin auch dankbar dafür, das sie kamen, denn ich will mich damit auseinandersetzen, ein letztes Mal. Das Alte abschütteln, verarbeiten und nach vorne sehen. Wohl wissend um das Gepäck im Rucksack. Ich möchte nur nicht mehr das Gewicht spüren.

Ich wünsche mir, dass wir gute Eltern sind. Und es richtig machen für den Keks.

Zum Beispiel kann ich nicht sagen, wie es ist, einen Vater zu haben. Meiner war nicht präsent. Erst ab Mitte 20, da war selbst ich aus dem Gröbsten raus. Umso mehr bin ich froh darüber, dass der Gatte mit mir im ständigen Austausch ist und wir über unsere Erziehung sprechen und uns gegenseitig reflektieren. Ich kann ihm zum Beispiel nicht sagen, wie sich ein (guter) Vater verhält, wir versuchen nur gemeinsam, für den Keks die Eltern zu sein, die sie verdient hat. Ich möchte gerne, dass sie eines Tages auf eine schöne Kindheit zurückblickt und gerne und ohne alten Schmerz an uns denkt.

Wenn ich eins im Leben schaffen will, dann das.

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