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In meiner virtuellen und auch der echten Umgebung habe ich viele Eltern, die sich mit Attachment Parenting, mit gewaltfreier Kommunikation und Erziehung und mit dem Konzept des „Unerzogenen“ auseinander setzten bzw. diese Konzepte leben. Ich habe dazu deshalb in den letzten Monaten viel gelesen und viele Unterhaltungen verfolgt.

Ich finde das alles höchstspannend. Vor allem finde ich einen gewaltfreien Umgang, sei er nun physisch und psychisch, unabdingbar. Meine Kindheit war nicht immer so rosig und ich habe mir fest vorgenommen, meinem Kind auf Augenhöhe zu begegnen. Und damit meine ich nicht nur, dass ich mich so oft wie möglich bücke, wenn sie mit mir spricht.

Aber.

Ich habe meine Grenzen. Und die sind mir wichtig und das Einhalten und Wahren dieser, meiner Grenzen trägt unmittelbar zum Familienfrieden bei. Sie absichtlich, permanent oder ungehört zu überschreiten ist nicht gut.

Also kann es bei uns durchaus vorkommen, dass ich die „wenn/dann“-Strategie fahre, bis 3 zähle oder meiner Ankündigung taten folgen lasse. Beispiele? Ok.

1.
Der Keks diskutiert an 5 von 7 Abenden über die Notwendigkeit des Zähneputzens. Mittlerweile ist es so, dass ich folgendes sage, wenn sie mich wieder mal nicht Nachputzen lassen möchte: „Ok, Du musst mich nicht nachputzen lassen, kein Thema. Dann gibt es halt morgen kein Eis/Apfelschorle/Gummibärchen/Nachtisch in der Kita etc.“ Und dann gehe ich aus dem Bad raus. Manchmal kommt sie mit, manchmal ruft sie mich direkt zurück ins Bad. Wenn sie mit mir zurück ins Kinderzimmer geht, dauert es manchmal 10 Minuten und zwei Wiederholungen der „angedrohten“ Konsequenz (und sie WEISS, dass ich es ernst meine) und sie geht dann doch freiwillig mit mir zurück ins Bad. Ist das Gewalt? Ist das Erpressung? Es ist mir egal, was es ist. Hier heiligt der Zweck die Mittel und ich empfinde es als eine sehr logische Konsequenz, dass es nichts mit Zucker gibt für jemanden, der sich nicht die Zähne putzt.

2.
Es gibt die absolut undiskutierbare Regel, dass sie uns die Hand gibt, wenn wir über die Straße, einen großen Parkplatz etc. gehen. Ich kündige das vorher an, wiederhole die Regel und sage: „Gib mir bitte gleich die Hand, wenn wir da rüber gehen. Sonst trage ich Dich.“ Manchmal wird sie dann sauer, weil sie selber gehen will, aber nicht an der Hand. Dann versuche ich es nochmal „im Guten“. Und wenn sie dann immer noch nicht das Händchen rausrückt, trage ich sie rüber. Meine Zeit und Geduld sind endlich.

3.
„Setz Dich bitte in den Autositz.“ „Mama, erst Knöpfe drücken.“ Ich sage meist ja, denn diese Zeit ist eingerechnet. Aber irgendwann möchte ich trotzdem mal los und dann sage ich, setz Dich bitte. Es folgt weiteres Diskutieren und Turnen durchs Auto. Irgendwann sage ich: „Ab in den Sitz. Ich zähle bis drei…“ Bei zwei sitzt sie meist drin. Oder ich setze sie bei drei rein und schnalle sie dann unter wütendem Protest an.

All diese Situationen nerven mich. Immer wieder. Aber sie entschärfen sich, wenn ich konsequent bin und alle beruhigen sich schnell. Im Auto wird ebenso schnell wieder gelacht, wie auf der anderen Straßenseite. Ich baue keine Drohkulisse auf, sondern ich sage, was anliegt, ich sage, wie es gemacht wird und ich sage, wann das passiert. Ich bin der Bestimmer und das ist mein Job.

Und es fühlt sich für mich richtig an. Ich habe es mit stundenlangem, zugewandtem Reden versucht, mit kindgerechten und emotionalen Erklärungen. Es endete immer in Heulerei und irgendwann Brüllerei meinerseits. Seitdem der Keks ganz sicher weiß, dass ich B mache, nachdem ich A gesagt habe, läuft es. Es ist entspannter für alle. Und ich habe – so paradox das klingt – das Gefühl, es gibt ihr Sicherheit. Ich bin kalkulierbar für sie. Ich gebe vielleicht nicht nach, aber ich trage auch nicht nach. Situation ist erledigt und fertig. Und seitdem wir das so handhaben, habe ich ebenfalls das Gefühl, dass der Keks ganz wenig provoziert und „trotzt“. Sie weiß eben ganz sicher, wo meine Grenze ist. Bis dahin darf sie sehr viel.

Es passt für uns.

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