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Ich war die personifizierte Scheissmutter
Der Keks und ich, wir hatten neulich einen Streit. Ich war genervt, sie war sauer, wir schaukelten uns gegenseitig Stück für Stück hoch. Ich hab sie dann irgendwann blöd angeschnauzt und sie saß dann ganz bedröppelt auf dem Fußboden, schaute hinunter und sagte: „Das macht man nicht.“ Wow. DAS hat gesessen.

Ihre Worte, ihr Anblick und ihre Traurigkeit trafen mich bis in den letzten Winkel meines Innern, mir war, als hätte sich eine kalte Hand um mein Herz gelegt. Was bin ich denn für ne Scheissmutter hier gerade??

Ich setzte mich zu ihr auf den Boden und entschuldigte mich. Ich sagte ihr, was für ne Scheisse ich grad gebaut habe und dass sie völlig recht damit hat, so geht man nicht miteinander um. Ich konnte leider nicht mehr verhindern, dass ich vor ihr in Tränen ausbrach und da nahm sie mein Gesicht in meine Hände und sagte: „Soll ich Dich mal trösten, Mama?“ Ich schluchzte „ja“ und sie umarmte mich ganz feste und wir hielten einander eine ganze Weile fest, während ich ihre Schulter nass heulte. Ich fühlte mich ernsthaft so beschissen, wie ich mich nicht mal fühle, wenn ich mal Streit mit dem Gatten habe. Dieses kleine, süße und so wahnsinnig kompetente Kind ist noch keine drei Jahre alt und hat mir mal eben vorgeführt, wie man es eben nicht macht bzw. wie man es besser machen kann. Ich bin doof zu meinem Kind und sie schafft es in dieser Situation noch, mich zu trösten.

Ich schäme mich wirklich sehr
Mich beschämt das auch nach drei Tagen immer noch sehr. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen kommen mir die Tränen. Und zugleich durchströmt mich ein so riesiger Stolz auf mein Kind, sie hat sich so viel klüger verhalten als ich.
Und ich merkte bereits gestern Abend, dass sich was in mir verändert hat. Eine ähnliche Situation drohte aufzutauchen, ich habe einfach nur schnell an mein Gefühl von Montag gedacht und meine Haltung sofort geändert. Der Keks und ich haben nämlich vereinbart, dass ich mich direkt an sie wende und sag „lass uns reden, nicht zanken.“ Das wird (und da bin ich mir doch ganz sicher) nicht IMMER funktionieren, sie ist eben auch erst drei Jahre alt, aber offensichtlich hallt der Vorfall in uns beiden noch nach und ich will sie einfach nicht mehr so ätzend von oben herab anschnauzen.

Nach diesem Vorfall vor drei Tagen haben wir uns beim Zubettgehen ganz in Ruhe händchenhaltend darüber unterhalten und vor dem Einschlafen habe ich mich nochmal entschuldigt und sie gefragt, ob zwischen uns wieder alles ok ist. „Aber klar Mama“.

Streit gehört zum Leben. Und Entschuldigen auch.
Ich glaube fest, dass Streit zum Leben einer Familie dazugehört und ich weiß, dass wir daran wachsen. Aber auch im Streit macht der Ton die Musik und ich hoffe, der Keks weiß, dass ihre Mama ihre Lektion gelernt hat.
Zumindest weiß sie, dass bei uns Entschuldigen und Trösten einen hohen Stellenwert haben, denn wenn der Gatte und ich mal zanken, leben wir ihr genau das vor.

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