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Mein gestriger Artikel hat mir jede Menge Zuspruch beschert, dafür danke ich ausdrücklich und von Herzen an dieser Stelle.  ❤
Er hat aber auch noch einen weiteren Aspekt aufgetan, der sich heute Morgen aus einer Unterhaltung auf Twitter ergab: Das Einzelkindschicksal des Gebäcks und die damit verbundene Zukunftsperspektive.

Die Einzelkindentscheidung
Es ist eine bewusste Entscheidung, dass wir ein Kind haben. Nur ein Kind. Die zur Entscheidung beitragenden Faktoren sind vielfältig, die meisten davon schlicht egoistisch. Dennoch liegt dem Ganzen die gemeinsame Bauchentscheidung zugrunde, dass sich die Elternschaft eines Leibesfrüchtchens richtig anfühlt. Wir haben zu Beginn der Schwangerschaft gesagt: Dieses eine Kind. Keins mehr.
Mein Bauch und auch mein Kopf sagen: Ich habe nicht mehr Platz für ein zweites Kind, ich WILL nur dieses eine Kind lieben und meine Liebe nicht aufteilen.

Erst danach kamen all die anderen Gedanken: Ich will nicht noch einen Säugling durch das erste Jahr begleiten, das ist nicht meins. Ich will meine wiedergewonnene Freiheit nicht aufgeben, nicht nochmal aufhören zu arbeiten, ich will Freizeit mit dem Mann haben. Ich will nicht weniger Geld haben, umziehen müssen oder mehr Abstriche machen. Ich will dieses eine Kind verwöhnen und bepüngeln und mein eigenes Leben und meine Beziehung auch nicht vernachlässigen. Bei zwei Kindern potentiert sich so vieles. Krankheit, Stress, Schlafmangel, Termine, Verpflichtungen, Kühlschrankinhalt. Ich hätte nicht die Nerven für doppelte Diskussionen übers Zähneputzen oder ein Eis nach dem Abendessen.

Soviel Ehrlichkeit erlaube ich mir hier an der Stelle. Ich bin es leid lesen zu müssen, dass man als Eltern so nicht denken darf.

Mehrfacheltern sagen was anderes
Ich weiss, ALLE Mehrfacheltern sagen, es potentiert sich auch die Liebe, das Gefühl, das Schöne innerhalb der Familie. Es sei die Mühe wert, die Kinder haben  dann ja immer auch einander – besonders im Alter – , man müsse sich weniger kümmern und man würde nicht ein Kind alleine zurücklassen.

Meine persönliche empirische Erhebung ergab: Ausnahmslos ALLE Menschen, die uns nach dem zweiten Kind fragten, habe meine Gegenfrage „hast Du Geschwister?“ mit „ja“ beantwortet. Für Geschwistermenschen kommt ein Leben „alleine“ schlicht nicht infrage bzw. stellt sich denen automatisch die Frage nach der weiteren Vermehrung. Es gab in den letzten 3 Jahren nur zwei Einzelkinder, die uns die Frage stellten. Aus Neugier. Nicht aus dem eigenen Gefühl heraus, ein Kind sei etwas Unvollständiges.

Familie ist Definitionssache
Mein Mann und ich, wir sind beide Einzelkinder. Uns fehlen keine Geschwister. Wir kennen das nicht und vermissen nichts.
Meine Familie hat sich inzwischen stark reduziert: Mein Gatte, der Keks, meine Mutter und meine Schwiegereltern. Das wars. Aber wir haben Freunde, tolle Freunde. Der Keks hat zwei Patentanten und viele Menschen, die sie liebhaben. Das ist auch Familie. Denn meine echte Familie hat leider versagt.

Keine Garantie
Ich fürchte, ich werde ihr zeigen müssen, dass sie sich immer zuerst auf sich selbst verlassen muss, bevor sie sich auf andere verlassen darf. Ich werde mir Mühe geben, sie stark zu machen für das Leben da draußen. Ich wünsche ihr gute Freundschaften und eine eigene Familie und hoffe, sie wird nicht einsam sein, wenn der Gatte und ich nicht mehr leben.

Aber darauf gibt es in keiner Konstellation eine Garantie.

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