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Ich habe mich sehr gefreut, als Nina zusagte, auch einen Gastartikel zu schreiben. Nina habe ich auf Twitter kennen- und sehr schätzen gelernt und der Kontakt zu ihr hat meinen Horizont bisher bereits auf vielfache Weise erweitert.  Ich danke Dir dafür. Ebenfalls danke ich Dir, dass Du diesen Artikel geschrieben hast. Zum Blog von Nina geht es hier entlang.

Es ist keine Traurigkeit

Über Depressionen lese ich sehr viel. Vieles das ich lese stammt von Autor*Innen, die offenbar nie die Tiefen eine Depression erlebt haben, aber unbedingt ihre Meinung dazu kund tun wollen. Da steht dann viel, von Hilfe annehmen und von einem Gefühl von Traurigkeit und jede Menge anderer Mist. In der akuten Phase einer Depression, bin ich nicht traurig, ich bin leer. Ausgebrannt und ohne Antrieb. Es gelingt mir nicht mich für etwas zu motivieren, zu begeistern, nicht einmal im Traum kann ich mich davon ablenken.

Anders als andere Betroffene, bin ich in depressiven Phasen nicht unkreativ. Oft brauche ich ein Blatt Papier und einen Bleistift, da ich mich auf andere Weise nicht mehr wirklich ausdrücken kann und will. Ich zeichne, schreibe oder kritzle einfach drauf los, verarbeite die Leere. Das mache ich nur aus einem einzigen Grund: Über die Jahre habe ich gelernt, dass ich so etwas ausdrücken kann und damit das schlimmste verhindern kann: dass meine Gedanken sich nur noch um Selbstmord drehen.

Depressionen begleiten mich schon mein ganzes Leben. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann über längere Zeit ganz unbeschwert war. Meine Seele trägt einen grauen Mantel.

„Aber du bist doch so ein offener Mensch,“ höre ich die Unwissenden sagen. Die mein Lächeln als Fröhlichkeit und Ende meiner Depression verstehen. Sie sehen nicht, dass nichts von Humor und Heiterkeit in mir ankommt. Wie ein Echo verhallt alles Schöne in mir und endet in einer trostlosen Dunkelheit.

„Schwing dich doch auf! Mach was! Vom Rumliegen wird es nicht besser!“ – wie ich diese Menschen hasse, die glauben, dass irgendeine Aktivität es schaffen könnte, dass es besser geht. Ich hab unzählige Stunden in vielen Kliniken damit verbracht Bilder zu malen, Körbe zu flechten und ja, die Ergotherapie hat schon ihren Sinn – in Kombination mit Medikamenten, Gesprächen und einer Summer kleiner Faktoren, die ich zu Hause niemals hinbekommen kann.

„Das wird schon wieder!“ – ach, warum könnt ihr euch nicht einfach mal um euren Kram kümmern, statt mich mit seichten Kalendersprüchen zu nerven? Solche Sätze helfen nicht, es sei denn, ihr habt das Ziel, dass die Person, mit der ihr redet, gänzlich dicht macht. „Ich weiß nicht, was ich machen kann. Ich möchte dir gerne helfen, aber ich weiß nicht wie.“ – DAS ist echte Hilfe. Und dann zuhören, was ich antworte. Mal kann ich gar nichts sagen, mal bitte ich um Ruhe, mal sinke ich zusammen und heule laut los, mal rede ich wie ein Wasserfall und NICHTS davon ist Selbstmitleid.

Selbstmitleid. Ja, so sieht es manchmal aus. Ich weiß das. Aber es ist keine Mitleid, es ist Suche nach Halt, nach einem Strohhalm, es ist die Sprache meiner Depression. Es ist… das einzige, das ich in diesem Zustand aus der Leere vermitteln kann.

Ich habe Depressionen. Oft. Oft unvermittelt, immer unbegründet und unterschiedlich heftig. Ich bin dann leer, aber selten traurig. Zum traurig sein fehlt mir nämlich meist die Kraft.

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