Schlagwörter

, , , , , , , ,

Die Perlenmama hat zu einer Blogparade aufgerufen, es geht um die von den Krankenkassen geplante Abschaffung von Beleggeburten. Also um eine Geburt ohne die Möglichkeit, sich von der eigenen, bekannten Hebamme begleiten zu lassen.

Schon bevor ich schwanger wurde war mir klar, ich kann nur entbinden, wenn jemand an meiner Seite ist, der mich kennt, mit dem ich im Vorfeld alle Eventualitäten besprochen habe und der weiß, was meine Wünsche und Vorstellungen sind. Jemand, der mich aktiv begleitet, technisch gesehen und vor allem als mein Sprachrohr dient.

Ich hatte das unfassbare Glück, genau das zu finden. Ein Team aus drei Hebammen, die man während der gesamten Zeit der Schwangerschaft intensiv kennenlernt und von denen eine die feste Vor- und Nachsorgehebamme ist. Welche der drei Hebammen die Geburt begleitet, hing davon ab, wer Bereitschaft hat. Da ich alle drei Hebammen sehr mochte und mag, war mir das egal, denn sie waren vor allem eins nicht: Fremde. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, mich im Kreißsaal ständig von einer mir fremden Frau anfassen zu lassen oder ihr zu erklären, wie ich mir die Geburt vorstelle.

Da die Geburt vom Keks nicht komplikationslos verlief und dann leider irgendwann notwendigerweise in einem Kaiserschnitt endete, war ich froh um die Begleitung durch eine mir vertraute Frau.

Die Komplikation war ein hoher Geradstand über einen längeren Zeitraum ohne Geburtsfortschritt, so dass sich aufgrund einer drohenden Uterusruptur für einen Kaiserschnitt entschieden wurde. Am Ende musste das auch schnell gehen, der Gatte und vor allem ich weinten, weil ich mich um die natürliche Geburt betrogen fühlte und auch die Hebamme hatte Tränen in den Augen, wusste sie doch, dass ich eigentlich auf gar keinen Fall einen Kaiserschnitt wollte.

Nun musste es sein und ich bin ihr vor allem für eine Sache sehr dankbar: Sie sagte im Kreißsaal zu mir: „Steh auf und gehe in den OP.“ Ich stand ziemlich neben mir, folgte aber in tiefstem Vertrauen ihrer Anweisung und habe erst ca. zwei Jahre später verstanden, was das mit mir gemacht hat: Sie hat dafür gesorgt, dass ich mich aktiv in die Situation begebe und mich dem stellen kann und nicht einfach passiv in den OP-Saal geschoben wurde, wie ein Lamm zur Schlachtbank.

Ich weiß noch, wie der grüngekleidete Oberarzt aus der OP-Tür guckte und irritiert fragte: „Warum geht die Patientin?“ Und die Hebamme trotzig antwortete: „Weil sie es kann!“

Hätte die Hebamme mir nicht so beigestanden, wäre es mir psychisch sehr viel schlechter gegangen, als es mir ohnehin aufgrund des Geburtsverlaufs ging. Sie hat meine Psyche vor größerem Schaden bewahrt. Die Angst, die ich zwischenzeitlich um mein Kind hatte, als sich die Werte verschlechterten und die Entscheidung, dass ein Kaiserschnitt notwendig ist, haben mich damals sehr getroffen.

Ohne Hebamme wäre das für mich eine sehr traumatisierende Erfahrung gewesen. Ich mache mir so große Sorgen, in welche Richtung diese Thematik nun steuert. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass da Frauen sitzen und sagen: „Ach, Beleggeburten streichen wir mal aus dem Leistungskatalog, braucht man nicht, im Krankenhaus sind ja Hebammen.“ Ich bin mir sicher, dass solche Entscheidungen von Männern getroffen werden, die – wie könnten sie auch – keinen blassen Schimmer davon haben, was eine Geburt bedeutet.

Ich hoffe, dass der Keks, sollte sie irgendwann ein Baby haben wollen, nicht ohne die Unterstützung einer Geburtshelferin auskommen muss. Das darf einfach nicht passieren.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass aufgrund der horrend gestiegenen Versicherungsprämien bereits Hebammen ihren Beruf aufgegeben haben und die Frauen nun in manchen Teilen des Landes keine Vor- und Nachsorgehebamme mehr finden und mit Problemen, Nöten und Ängsten ganz alleine da stehen. Was ist zum Beispiel mit Problemen beim Stillen – die ich zum Beispiel auch hatte?! Da darf man sich dann im Wochenbett auf den Weg zu einer Sprechstunde irgendwo machen, um seine Fragen zu stellen?
Meine Hebamme hat bei mir zu Hause in meinem gewohnten Umfeld versucht, die Stillproblematik zu beheben. Ohne Hebamme hätte ich sofort aufgehört zu stillen!

Ich möchte hiermit für die Hebammen einstehen und ihnen eine Stimme verleihen, für selbstbestimmte und sichere Geburten. Bitte lassen wir nicht zu, dass die Geburtsbegleitung abgeschafft wird. Die Folgen sind kaum zu ermessen.

Advertisements