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Leider werde ich vom Pluripara-Blog gedisst, so dass ich meinen mehrfach vergeblich geposteten Kommentar jetzt hier als Text veröffentliche. Ich habe übrigens vor fast genau einem Jahr schon mal etwas zur Mediennutzung vom Keks geschrieben. Und ich muss sagen, es hat sich dahingehend geändert, dass wir nicht mehr so streng sind und es fühlt sich nach wie vor richtig an, es so zu tun. Für uns. Die Pluripara-Familie lebt fernsehfrei und ich kann das sogar sehr gut nachvollziehen. Ein Stück weit bewundere ich so eine Konsequenz auch, aber ich mache mich auch nicht jeck, weil es bei uns anders ist. Nämlich so:

Wir leben nicht fernsehfrei, aber unser Konsumverhalten hat sich stark verändert. Mit dem Tag, als der Keks auf der Welt war, war der Fernseher tagsüber aus. Vorher, gerade im Mutterschutz, fand ich es mega cool, nachmittags sowas wie „Rote Rosen“ zu gucken. Das hab ich dann im Jahr Elternzeit gemacht, wenn das zeitgleich zum Mittagsschlaf vom Keks lief. Allerdings lief der Fernseher auch dann nicht, wenn der Baby-Keks im Wohnzimmer schlief.

Ich würde sagen, die ersten 1,5 Jahre wuchs der Keks ohne sämtliche mediale Zerstreuung auf. Dann entdeckte ich zum Beispiel die „Fiete“-Apps und die „Gute-Nacht“-App von Fox & Sheep. Eine Zeitlang haben wir mit dem Keks abends –„die Tiere ins Bett gebracht“, dann noch was vorgelesen und dann ist der Keks eingeschlafen. Hätte ich je bemerkt, dass sie das aufwühlt oder belastet, hätten wir das nie gemacht.

Manchmal haben wir die Apps auch unterwegs eingesetzt, wenn man mal irgendwas dringen erledigen mussten oder Zeit in Wartezimmern totschlagen, wenn alles andere Spielzeug schon durchgespielt ist.

Auch heute noch darf der Keks ab und zu die „Kinder-Apps“ nutzen, denn mir ist es gleich, ob sie auf dem Bildschirm puzzelt oder „in echt“, denn es ist nicht die Regel und sie fragt wenn, dann meistens danach, wenn wir irgendwo auf Essen warten. Manchmal fragt sie in Situationen nach dieser Ablenkung, wenn ich merke, dass ihr grad alles zu viel wird, zB bei Spieleverabredungen etc. Aber dann gehe ich anders damit um und gebe ihr nicht das Telefon, um ihr die gewünschte Ablenkung zu verschaffen. Manchmal reicht eine kurze Pause auf meinem Schoss. Und eigentlich finde ich das sehr kompetent vom Keks, sich bei Überreizung selbst helfen zu wollen. Nur nicht so. 😉

Es kommt auch vor, dass sie eigentlich grad was gucken wollte, aber dann doch in die Küche kommt oder in ihr Zimmer geht und was spielt. Dann mache ich den Fernseher aus.

Der Keks hat einen eigenen Netflix-Account und wir alle haben unsere Liebe zu ‚Shaun das Schaf‘ entdeckt. Wir gucken das gern mit ihr gemeinsam. Wenn nur einer von uns zu Hause ist, darf sie, während der Abendessenszubereitung, etwas mehr als eine Folge gucken, aber nicht unkontrolliert. Meistens ist es Peppa Wutz, Shaun, Bali oder Trotro. Durch die Altersangabe, die ich Netflix gemacht habe, werden in ihrem Account keine Serien angezeigt, die für ihr Alter ungeeignet wären. Was nicht heißt, dass für sie persönlich alles geeignet ist. Es gibt schon Sachen, die sind mir zu unpassend, schnelle Schnitte, schlechte oder klischeehafte Storys etc. Wir ‚überwachen‘ also sehr genau, was sie guckt.

Beim Abendessen bzw. bei allen Mahlzeiten ist der Fernseher aus. Natürlich möchte sie nach dem Abendessen weitergucken, aber sie darf dann maximal die angefangene Folge zu Ende gucken, dann umziehen, Zähne putzen und dann kommt das Sandmännchen. Sie kommt so unter der Woche auf 20 bis 40 Minuten TV am Tag. Ich finde das vertretbar, weil ich keine Auswirkungen beim Keks bemerke. Sie schläft zuverlässig zur gleichen Zeit ein und kommt dabei gut zur Ruhe. Ja, sie träumt dann und wann, aber das tun alle Kinder, die nachts etwas zu verarbeiten waren. Würde sie in die Nacht verfolgt von dem, was sie gesehen hat, würden wir sofort den Konsum reduzieren.

Am Wochenende darf der Keks morgens bei uns im Bett ein, zwei Folgen auf dem Handy über die Netflix-App gucken und der Gatte und ich dösen dabei noch ein paar Minuten, bzw. ich warte auf die Wirkung des Kaffees. Das ist manchmal Notwehr.

Als der Keks im Winter einen Tag fast 40°Fieber hatte und nur apathisch auf der Couch lag, lief das Ding zum ersten Mal den ganzen Tag. Sie hat das Meiste eh verschlafen, war aber eh zu nichts anderem in der Lage. Am nächsten Tag lief alles wieder normal bei uns. Keine Entzugserscheinungen.

Der Gatte und ich gucken im Grunde nur noch Netflix. Früher haben wir um jeden Preis jeden Sonntag den Tatort gesehen, jetzt wollen wir gerne wissen, wie es bei OITNB, House of Cards oder was wir dann grad gucken, weitergeht. Es werden bei Netflix eigen produzierte Serien gezeigt, die wir in solcher Qualität und Spannung bislang nicht gesehen haben. Es macht schlicht Spaß. Wir machen es uns zusammen gemütlich, nachdem wir die Küche aufgeräumt haben oder was auch immer noch zu erledigen ist, erledigt haben. Wir machen uns ne Shisha fertig, nen Tee oder ein Bierchen auf und freuen uns auf ein, zwei Folgen und zelebrieren unseren Couch-Abend.
Ich bin abends nicht mehr in der Lage, ein Buch zu lesen, seitdem der Keks auf der Welt ist. Ich kann es einfach nicht mehr, obwohl ich es sehr vermisse. Ich glaube, mit mehr Schlaf wird es sicher wieder einfacher und dann werde ich auch wieder mehr lesen. Manchmal gehe ich nach der Einschlafbegleitung selbst sofort schlafen, denn dann merke ich, dass mein Akku komplett leer ist und ich dringend Schlaf brauche. Einen Abend in der Woche halten wir uns fernsehfrei und spielen irgendwas und reden dabei.

Fazit: Der Keks soll meiner Meinung nach selbstverständlich mit Medien groß werden, geleitet und begleitet durch uns. Das TV ist für uns kein Babysitter, aber er hilft eben manchmal. Solange der Keks so viel spielt, so viel draußen ist und mir ausgeglichen erscheint, lassen wir das genau so weiterlaufen.

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