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Lena, die Autorin des heutigen Gastartikels ist – das darf ich hoffentlich so sagen – ein junges Mädel und ich erinnere mich durch sie an meine zweite Depression, die ich ungefähr in ihrem Alter hatte. Was sie schreibt, hätte auch eins zu eins von mir sein können, mir ist es genauso ergangen. Ich frage mich, ob ich an der Stelle schreiben soll, dass alles gut wird und dass sich die wirklich Mühe lohnt. Aber es ist so schwer, sich als depressiver Mensch so etwas anzuhören, weil man nicht anders KANN.

Was ich aber definitv schreiben möchte ist: Ich wünsche Dir von Herzen eine gute, schnelle Besserung und einen steten Weg in ein „normales“ Leben. ❤ Danke für Deinen Text.

Lena findet ihr auch hier auf Twitter: @comebackxkid


Alltagsleben mit Depressionen

Ein normales Leben mit Depressionen führen zu können – das ist doch DAS Ziel für jeden von uns Betroffenen. Zumindest kenne ich niemanden, der da anderer Meinung ist und sich freiwillig von der Depression im Alltag einschränken lässt. Aber wie ist das möglich? Ist das überhaupt möglich? Kann man ein „normales“ Leben mit Depressionen führen?

Die Antwort ist – ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, ein „normales“ Leben zu führen. (Ich setze das Wort „normal“ hier extra in Anführungszeichen, weil es für jeden etwas anderes bedeutet.) Ich meine damit jedoch, dass man morgens problemlos aufstehen kann, zur Arbeit geht, irgendwann im Laufe des Tages heimkommt, etwas Freizeit hat, Dinge tut, an denen man Spaß und auf die man Lust hat und dann irgendwann schlafen geht, weil der nächste Tag bald ansteht. Aber wie ist das möglich, wenn man an einer psychischen Krankheit leidet?

Nun, es gibt Tage, an denen kann ich nicht aufstehen. Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, wie das möglich ist – und hey, das frage ich mich auch oft. Es ist so, dass die Depression mich ans Bett fesselt, mir jegliche Kraft raubt und dafür sorgt, dass es unmöglich scheint, das Bett zu verlassen. Dann dauert es schon mal mehrere Stunden, bis ich überhaupt bereit dazu bin, aufzustehen. Wenn ich es dann irgendwann geschafft habe, beispielsweise weil ich auf die Toilette muss, bin ich danach meistens so fertig, dass ich mich am liebsten direkt wieder ins Bett legen würde. Wie soll ich so ein „normales“ Leben führen? Wie soll ich so arbeiten gehen, meinen Hobbys nachgehen, Freunde treffen – das Leben leben?

Es gibt aber auch Tage, an denen ich problemlos leben kann. An denen es nicht stundenlang dauert, bis ich in der Lage dazu bin, aufzustehen. Tage, an denen sich die Depression nicht zu Wort meldet. Aber nur, weil es auch solche Tage gibt, bin ich noch lange nicht gesund. Es kommt manchmal vor, dass es mir wochenlang gut geht. Dass ich mein Leben problemlos leben kann, ohne große Einschränkungen; dann ist es so, als wäre ich nicht depressiv. Als wäre ich es nie gewesen. Als hätte es all die schlechten Tage nie gegeben. Doch so ist es nicht. Ich bin nicht geheilt, weil es gute Tage gibt. Und ich weiß immer noch nicht, ob ich jemals ein „normales“ Leben führen kann/werde.

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